Bockhuf
Bei der Bockhufigkeit gilt es zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Bockhufigkeit zu unterscheiden. Wird ein Fohlen mit einem Bockhuf geboren, so kann dieser in der Regel vollständig korrigiert werden. Eine regelmässige Hufbearbeitung und Bewegung auf hartem, trockenem Untergrund, sowie ein Klebeschuh mit verlängertem Zehenteil tragen dazu bei, dass sich die weichen Sehnen, Bänder und Gelenke des Fohlens einer normalen Fussung anpassen und der Huf normal weiter wachsen kann.
Beim erwachsenen Pferd muss vorsichtiger zu Werke gegangen werden, da die Sehen und Bänder nicht mehr so schnell verformbar sind. Auch hier kommt man um kurze Hufpflegeintervalle nicht herum. Die Trachten müssen über längere Zeit immer wieder gekürzt werden, aber nur so viel, wie die Sehne zulässt. Die Trachten müssen immer Kontakt mit dem Boden behalten. "Hängen" sie beim Auffussen in der Luft kommt es vorübergehend zu einer Überbelastung der tiefen Beugesehene (TBS). Dies ist unbedingt zu vermeiden. Dazu gibt man der Zehe eine sog. Zehenrichtung, so dass das Pferd leichter abrollen kann. Der Reiter sollte das Pferd viel im Schritt auf hartem Untergrund gehen lassen und es dazu animieren, das Bein weit nach vorne heraus zu schwingen. Der Hufmechanismus wird angeregt. In der Trachtenregion ist mehr Bewegung, was zu mehr Abrieb und dazu führt, dass sich der Huf einer normalen Form und Fussung annähert.
Grundsätzlich ist der Bockhuf kein Hindernis, grosse Leistungen zu erbringen. Gerade bei Trakehnern gibt es immer wieder Geschichten von Pferden mit Bockhuf, die trotzdem schwere Jagden und Geländeprüfungen erfolgreich absolviert haben. Es ist dann grossen Teils Sache des Reiters, das Beste aus dem Pferd heraus zu holen, egal ob mit oder ohne Stellungfehler.
Nun zu den erworbenen Bockhufen.
Sehr oft findet man erworbene Bockhufe bei Eseln, die aufgrund falscher Hufbearbeitung Bockhufe ausbilden. Es herrscht immer noch die weit verbreitete Annahme, dass Esel grundsätzlich bockhufig stehen. Das ist falsch. Esel können etwas steiler stehen als Pferde, haben aber grundsätzlich genauso eine gerade verlaufende Huf-Fesselbeinachse wie ein Pferd. Auch hier müssen die Trachten regelmässig gekürzt werden und ein Hufwinkel entsprechend der Fesselbeinstellung hergestellt werden.
Ein Pferd oder Esel kann aber auch aus einem anderen Grund einen Bockhuf ausbilden. Wenn das Tier einen Huf über längere Zeit entlasten muss, z.B. bei einem andauernden Schmerz oder während der Heilungsphase nach einem operativen Eingriff am Huf. Dann tritt es kürzer und in der Regel auch nicht vollständig durch, der Hufmechanismus ist stark eingeschränkt und die Trachten wachsen mangels genügendem Abrieb in die Höhe. Die Sehne verkürzt sich mit der Zeit und der Huf kann zum Bockhuf werden. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, kann der Huf langsam wieder korrigiert werden.