Der Tellington-Touch, von Linda Tellington-Jones:
Aufgrund vieler Erfahrungen und jahrelanger gemeinsamer Bemühungen entsand etwas, das Linda den Tellinton - Touch nannte - eine Form der Berührung (englisch <<touch>> = Berührung) von Körper, Kopf und Fell, die sich an den Lehren des Dr. Feldenkrais für Menschen orientieren; durch diese noch ausfürlich zu schildernden vielfachen und vielschichtigen Berührungen der Menschenhand am Pferdekörper entsent eine Behandlung differenziertester Art, di mit der bekannten Haut und Muskelmassage wenig gemein hat.
Der wesentliche Unterschied wird dabei durch die Absicht bestimmt. Das allgemeine Ziel der traditionellen Massage ist es, die Blutzirkulation anzuregen und die Muskeln zu entspannen, was in vielen Fällen sehr hilfreich ist, jedoch genaue anatomische Kenntnisse voraussetzt. Wird nämlich ein verspannter Muskel hart oder falschg massiert, fühlt sich der Körper bedroht, und die betreffende Stelle schmerzt hinterher mehr als vorher.
Das grundlegende Ziel des Tellington - Touches hingegen ist es, mit sanftesten Anwendungen, die keine nachteiligen Folgen haben können, Gehirnzellen zu aktivieren und damit neue Nervenimpulse auszulösen, um Gesundheit, Leistung und Selbstsicherheit des Pferdes - auch die des Menschen - zu verbessern und das Verständnis zwischen beiden zu erhöhen. Aus letzterem Grunde insbesonders ist es wichtig, dass der Reiter und Besitzer die Übungen selber durchführt.
Außer den auf Feldkrais basierenden Körperberührungen wurde un das schließlich zur Nachahmung für jedermann erarbeitete Schema auch einige leicht zu erlernende Akupressur - Anwendungen eingebaut sowie eine der in der Mongolei seit Jahrhunderten erprobte Chua-Ka_Bewegungen.
Von der Arbeit mit dem Tellington-Touchprofitier jedes Pferd, gleich welchen Alters und Ausbildunsstand.
Positionen der Hände für den Tellington-Touch:
Es gibt vier Grundmöglichkeiten, die Hände am Pferdekörper einzusetzen:
- Man benutzt die flache Hand, um Spannungen zu lösen, Ängste abzubauen sowie auch um die gesamte Zirkulation zu verbessern.
- Man stellt den Kontakt zum Pferdekörper mit zur Kruppe gebogenen und sanft zusammengehaltenen Fingern her: drückt vorsichtig, bewegst Haut und Muskel in einem kleinen Zirkel von ca 1/2 cm Durchmesser und lässt fließend wieder los. Die Stärke des Druckes hängt von der Sensibilität des Pferdes ab und davon,
ob wir Schmerz- und Verspannungsfeldern suchen;
ob wir den Touch anwenden um Spannung, Schmerz und Entzündungen zu lösen, beziehungsweise zu lindern;
ob wir neue Nervenimpulse auslösen möchten, um dem Pferd ein erweitertes Bewusstsein einer bestimmten Körpergegend zu vermitteln, zwecks Verlängerung von Bewegungen oder Steigerung der Leistung. - Man <<klatscht>> mit der leicht gewölbten Hand den gesamten Körper ab. Das geschieht vor allem vor Schauen und Vorführungen, um nach einer vorangegangenen Behandlung gemäß 2 die Blutzirkulation anzuregen. Gewöhnlich beginnt man damit an den kräftig bemuskelten Körperteilen wie Kruppe oder Oberschenkel. In der Rippengegend, anSchulter und Nacken klatscht man sanfter, und noch sanfter dann auf Rücken und Lenden. Man beobachtet genau, wie dem Pferd diese Behandlung nach einigen Minuten gefällt und reguliert die Stärke der Schläge danach. Hält es die Luft an und verspannt sich, ist die Behandlung wertlos. Es erstaunt oft, zu sehen, wie ein sehr nervöses Pferd, das nicht einmal beim <<Touch 1>> stillsteht, dieses leichte Klatschzen genießt und sich dabei entspannt.
- Hautrolle oder Chua-Ka: Dazu braucht man beide Hände, um die Haut in gerader Linie vor den Daumen wegzurollen. Gewöhnlich beginnen wir damit, lange Linien von der Gurtgegend weg auf die Flanke zuzurollen - parallel zum Rücken, indem wirauf der Rumpfmitte anfangen und dann je zwei Linien ober- und unterhalb dieser Grundlinie rollen. Wir fahren dann quer über die Schulter fort, den Nacken hinauf und hinab und schließlich die Hinterbeine hinauf (das gibt sichereres Gefühl bei der Bewegung).
Dieses Hautrollen wird seit altersher bei den Mongolen angewandt; es wirkt belebend und bricht eingefleischte Verspannungsmuster.
Wendet man diese vier Grundpositionen an, so achte man genau auf eigene Atmung und auf die Position des eigenen Körpers. Wie bei Tieren ist es bei Menschen normal, bei Konzentration den Atem anhalten. Das ist jedoch nicht gut. Atmet man bewusst einige Male tief durch, wir man bald feststellen, dass man damit auch die Atmung des Pferdes verbessert. Außerdem vermindert sich undere Fühlfähigkeit, wenn wir uns bei angehaltenem Atem verspannen. Am besten steht man locker da, das Gewicht ein wenig nach vorn über die Ballen verlagert, und ohne die Knei zu schließen.
Mit zunehmender Übung wird man sich einzelner Teile auch des eigenen Körpers bewusster, während man am Pferd arbeitet, und dieses verstärkte Körperbewusstsein trägt durchaus auch zu verstärktem Selbstbewusstsein und besserer Gesundheit bei.
Wie stark ist der Druck beim TTouch??
Um uns klar zu machen, wie stark der Druck sein kann und darf, stellen wir uns im Geiste eine Skala von 1-10 vor, die wir dann unterschiedlich anwenden.
Um einen Begriff von Stärke 1 zu bekommen, legen sie Zeige- und Mittelfinger so sacht wie nur möglich an ein Augenliod - gerade so viel, um Kontakt zu haben. Machen Sie dann 5 oder 6 Kreise, indem Sie mit den Fingern die haut des Lides bewegen (nicht darüber hinweggleiten). Um das Gefühl dabei zu verbessern, stützen sie den Daumen auf der Wange ab und legen die Innenseite des Oberarms lose an den Körper. Nachdem Sie diese leichtestmögliche Berührung "durchempfunden" haben, berühren Sie mit den Fingern Ihren Arm mit der gleichen Druckstärke.
Dann berühren Sie das Lid so fest Sie können, ohne dass es wehtut. und drücken mit gleicher Stärke ihren Oberarm. Das ist Stärke 3. Nun drücken Sie den Oberarm dreimal so fest, und bewegen Sie die Haut des Arms (nicht des Augenlids!) in Kreisen mit gleichem Druck. Das ergibt Stärke 9-10.
Die dazwischenliegenden Stärkegrade können Sie nun selbst leicht gefühlsmäßig ermitteln.
Einige Allgemeine Hinweise:
Vor der eigentlichen Arbeit noch ein paar nützliche Hinweise:
Pferde mögen es meist nicht gerne, wenn man sie intensiv am Kopf berührt. Man beginnt deshalb am Körper, und zwar an einer Stelle, die dem Pferd zu sehen ermöglicht, dass man ihm nicht wehtun will: etwa am vorderen Rücken gleich hinter der Schulter. Von dort arbeitet man zum Bauch hinunter und quer nach hinten zur Hüfte, wobei man die Reaktionen auf die einzelnen Handgriffe beobachtet. Kommt man durch, wird das Pferd bald kauen, die Lippen lecken, tief atmen, Kopf und Hals fallenlassen. Meist bemerkt man positive Reaktionen schon, wenn man am Bauch arbeitet, aber am meisten akzeptiert und genießt es die Behandlung, wenn man beim Hals ankommt. Eine Weile dauert es schon, bis das Vertrauen in die fremden Berührungen hergestellt ist; bei manchen Pferden lernt man auf diese Weise Geduld...
Geht man zu hastig vor, fühlt das Pferd sich unbehaglich und hebt den Kopf. Bewegt es sich von einem fort, wird man leichter in der Hand und führt sie ein wenig weiter am Körper entlang. Ein Pferd, das Schmerzen hat oder verspannt ist, entzieht sich an jener Stelle der Berührung. Macht man trotzdem dort weiter, so würde es noch misstrauischer werden; man arbeitet also stattdessen in enger werdenden Zirkeln um diese Stelle herum. Dressurpferde haben oft besonders starke Schmerzen im Genick, an jener Stelle also,die sie bei zunehmender Versammlung hoch und gespannt halten müssen. Springpferde haben oft Schmerzen im Bereich der Brust und zwischen den Vorderbeinen. Arbeitet man um diese Stellen herum, so hilft es dem Pferd, die schmerz-veranlasste Verspannung sozusagen zu verflachen, Stress auf einer größeren Fläche zu verteilen, zu lösen.
Während man den Körper des Pferdes auf beide Seiten bearbeitet hat, hat es sich an die Bewegungen der Hand gewöhnt und begonnen, sie zu akzeptieren. Gleichzeitig entwickelte sich unser Gefühl dafür, wie empfindsam es ist und wie stark der Druck sein darf bzw. soll. Nun kann man sich den empfindlicheren Stellen zuwenden.
Wer dies alles ruhig bedenkt und vorsichtig auszuprobieren beginnt, mag nicht in der Lage sein, sein Pferd schnell von allem Möglichen zu heilen - bestimmt aber kann er ihm große Erleichterung verschaffen; auf alle Fälle wächst das Vertrauen zwischen den beiden gewaltig.